Yamaha Tracer 900 GT: Drehfreude trifft Komfort

Fahrtest in Granada

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Stephan Maderner

Für 2018 hat die Yamaha Tracer 900 ein umfassendes Update erhalten.
Für 2018 hat die Yamaha Tracer 900 ein umfassendes Update erhalten. (Bild: Yamaha)

Als MT-09 Tracer kam sie 2015 auf den Markt und setzte sich auf Anhieb blendend in Szene. Für 2018 hat die Tracer 900 ein umfassendes Update erhalten, zusätzlich gibt ein neues Spitzenmodell.

Fast 4.000 Stück seiner dreizylindrigen MT-09 Tracer konnte Yamaha seit deren Markteinführung 2015 in Deutschland verkaufen; damit ist für dieses Modell Deutschland der viertwichtigste Markt in Europa. Hinter der BMW S 1000 XR bedeutet das für die Yamaha hierzulande den zweiten Platz im Sporttourer-Segment, den ersten gar in der Mittelklasse. Für die aktuelle Saison hat die agile, leichtgewichtige Japanerin ein umfassendes Update erhalten, das ihre Breitbandigkeit, den Fahrkomfort für Fahrer und Passagier sowie das Design auf ein höheres Niveau bringt. Zusätzlich gibt es mit der Version Tracer 900 GT ein opulent ausgestattetes Spitzenmodell.

Drehfreudiger Dreizylinder

Andalusiens Straßen rund um Granada sind wie geschaffen für die Tracer: Bester Asphalt und Kurven aller Radien animieren dazu, die Drehfreudigkeit des Dreizylinder-Reihenmotors – er arbeitet im Naked-Bike MT-09, im Sporttourer Tracer, in der XSR 900 und noch auch im Dreirad-Motorrad „Niken“ – immer wieder auszukosten. Der 85 kW/115 PS aus 847 Kubikzentimetern Hubraum produzierende Motor ist auch in seinem sechsten Jahr ein Quell der Freude: Drehwillig, vibrationsarm und nach anfänglichen Unstimmigkeiten längst sehr gut abgestimmt geht der Drilling zu Werke; mit einem Verbrauch von rund 5,5 Litern auf 100 Kilometer ist er auch nicht zu durstig. An die 300 Kilometer ohne Tankstopp sind damit möglich. Kupplung, Schaltung und Bremsen arbeiten ebenfalls auf hohem Niveau. Hier gab es für Yamaha in der Tat nichts zu verbessern.

Längerer Radstand

Anders beim Fahrwerk: Um die Fahrstabilität und auch die Traktion zu erhöhen, wurde für die neue Tracer 900 die hintere Schwinge um volle 6 Zentimeter verlängert, was den Radstand von 1,44 auf 1,50 Meter anwachsen ließ. Weil der Heckrahmen neu konstruiert wurde, lassen sich nun auch größere Gepäckkoffer als die bislang sehr kleinen Textilbehälter montieren, was die Touring-Eigenschaften der Tracer steigert. Um die negativen Auswirkungen des verlängerten Radstands in Grenzen zu halten, wurden die Abstimmung und Anlenkung der Federelemente verändert. Resultat der Mühen: Die Tracer 900 darf weiterhin als agiles, sportliches Tourenmotorrad gelten, bietet aber deutlich mehr Fahrkomfort als zuvor.

Bequemer sitzen

Das liegt an vielen Kleinigkeiten: So ist der Sitz für Fahrer wie für die Sozia bequemer gepolstert und bietet zudem eine größere Sitzfläche, außerdem wurden die Fußrasten und der Haltegriff für die Sozia und auch das Windschild überarbeitet; letzteres ist zugunsten eines besseren Wind- und Wetterschutze nicht nur größer als zuvor, sondern auch einhändig leicht in der Höhe verstellbar. Auch der Lenker wurde verändert: Er ist geringfügig schmaler, dennoch ist die Tracer im Lenkerbereich volle zehn Zentimeter schlanker geworden, wobei zudem die Handschützer aerodynamisch überarbeitet worden sind. Zugunsten besserer Sicht nach hinten wurden die Spiegelausleger um 3 Zentimeter verlängert. Nach wie vor Standard sind LED-Scheinwerfer und ein gut bedienbarer Hauptständer. Knapp ausgefallen ist die Zuladung: Knapp 180 Kilo sind bei bereits 12 Kilo wiegenden Koffern im Zweipersoneneinsatz schnell aufgebraucht.

Voll einstellbare Gabel

Spürbar höher als bei der Tracer 900 liegt der Fahrkomfort beim neuen Spitzenmodell Tracer 900 GT : Die voll einstellbare Gabel wie auch das höherwertige, leichter verstellbare Federbein sprechen besser an, zudem gibt es einen sehr gut funktionierenden Quickshifter fürs kupplungslose und zugkraftunterbrechungsfreie Hinaufschalten.

Cockpit mit TFT-Display

Weitaus angenehmer als beim Basismodell ist bei der 12.195 Euro teuren GT auch der Blick ins Cockpit: Bei ihr gibt es nämlich statt des monochromen LC-Displays ein farbiges TFT-Display mit Nachteinstellung, das, bestens ablesbar, eine Fülle an Informationen bietet. Serienmäßig an der GT sind 22 Liter fassende, leicht einzuhängende Seitenkoffer aus Kunststoff mit in Fahrzeugfarbe lackierten Deckeln. Ihr Volumen ist zwar deutlich größer als das der nach wie vor als Zubehör lieferbaren 15-Liter-Textilbehälter, doch ist man mit ihnen dennoch sehr „sportlich“ unterwegs – viel passt einfach nicht rein. Dafür ist die Linie der Tracer 900 weiterhin recht schlank. Positiv zu erwähnen ist zudem das Einschlüsselsystem. Apropos Schlüssel: Steht der Lenker gerade, lässt sich der Schlüssel nur schwer ins asymmetrisch platzierte Zündschloss stecken und drehen; bei nach links eingeschlagenem Lenker funktioniert das weitaus besser.

Sachen zum Aufpeppen

Wer will, kann selbst die sehr gut ausgestattete GT-Version noch aufpeppen: Yamaha bietet beispielsweise einen heizbaren Komfortsitz sowie ein besonders komfortables Sitzmöbel für die Herzdame an. Auch eine Lenkererhöhung, Zusatzscheinwerfer, ein breiteres Windschild und Touring-Fußrasten sind im Angebot. Besonders sinnvoll dürfte aber der Erwerb des Schutzgitters für den Wasserkühler sein: Beim Fahrtest notierten wir gleich an zwei Kühlern Steinschläge. Solches Ungemach wird durch das dezente Gitter zuverlässig vermieden.

Sportlicher Tourer mit Preisvorteil

Mit 10.595 Euro darf die agile, leistungsstarke und komfortabel zu fahrende Yamaha Tracer 900 als preiswertes Angebot auf dem Markt der sportlichen Tourer gelten; im Verhältnis noch preiswerter erscheint dank des verbesserten Fahrwerks und der zusätzlichen Ausstattung (Seitenkoffer, Quickshifter, Tempomat, TFT-Display, Heizgriffe) die lediglich 1.600 Euro mehr kostende GT-Variante. Es spricht also nichts dagegen, dass die Yamaha Tracer auch 2018 und in den darauffolgenden Jahren einen Spitzenplatz im Sporttourer-Segment belegen wird; in der Mittelklasse wird sie ihre Führungsposition dank der vielen Verbesserungen zweifellos verteidigen können. (Ulf Böhringer/SP-X)

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