Yamaha YZF-R 3: Kleine Rakete

Fahrbericht aus Valencia

| Autor / Redakteur: Ulf Böhringer/SP-X / Stephan Maderner

Yamaha hat die YZF-R3 überarbeitet.
Yamaha hat die YZF-R3 überarbeitet. (Bild: Yamaha)

Yamaha hat den 300er Supersportler YZF-R3 gründlich modellgepflegt. Dabei ging es vor allem um eins: Fahrbarkeit und Motor mit Pfeffer.

Einen Supersportler für „alle Tage“ hatte Yamaha bei der Präsentation der ersten Generation der YZF-R3 im Jahr 2015 im Sinn. Einfache Fahrbarkeit in Verbindung mit einem „Motor mit Pfeffer“ mussten gewährleistet sein, sowie ein junge Erwachsene nicht überfordernder Preis. Mit einem Gewicht von unter 170 Kilogramm erfüllte die erste R3 die Erwartungen und wurde für Yamaha zum Erfolgsmodell, vor allem in Großbritannien, Frankreich und Italien, aber mehr noch in der Türkei und Deutschland. Zwar hat sie es hierzulande nie in die Top 50 der Neuzulassungs-Hitparade geschafft, aber die dafür nötigen Verkaufszahlen sind für ein Nischenmodell niemals erreichbar. Wichtig für Yamaha ist die YZF-R3 dennoch, weshalb ihr nun für die Saison 2019 ein umfangreiches Update zuteilwurde.

Die Superbike-Klasse stand Pate

Vor allem optisch wurde der kleine Supersportler geschärft: Pate standen die in der Superbike-Klasse erfolgreiche R1 und das MotoGP-Bike M1. So weist die Karosserie der kleinen Schwester denn auch zahlreiche Ähnlichkeiten von der Frontmaske mit dem Lufteinlass in der Verkleidung und der durchbrochenen Gabelbrücke bis zur Heckgestaltung auf. Auch wurde die Sitzposition sportlicher, ohne aber deshalb dem Fahrer Fakir-Eigenschaften abzuverlangen. Die Lenkergriffe sind immerhin 2,2 Zentimeter tiefer montiert als beim Erstling. Dass auch der Aerodynamik Aufmerksamkeit gewährt wurde, zeigt nicht nur der um 9 Prozent verbesserte Luftwiderstand, sondern auch die bei gleicher Motorleistung von 31 kW/42 PS auf 182 km/h angewachsene Spitzengeschwindigkeit.

Kategorie Drehorgel

Der kleine Zweizylinder-Reihenmotor gehört fraglos zur Kategorie der Drehorgeln: Wer schnell sein will, sollte die Drehzahl nie unter 7.500 U/min fallen lassen. Das ist dank des leichtgängig wie auch präzise zu schaltenden Getriebes kein Problem, so dass man sich bei Bedarf praktisch jederzeit im Bereich des maximalen Drehmoments aufhalten kann. Dieses beträgt immerhin rund 30 Newtonmeter – kein schlechter Wert für einen kleinen Twin mit nur 321 Kubikzentimetern Hubraum. Insofern sind hohe Drehzahlen nur für ausgesprochen sportliche Fahrweise Bedingung; die Gasannahme erfolgt weich, die Elastizität des Triebwerks im Rahmen des technisch Möglichen gut. Der Praxisverbrauch liegt je nach Fahrweise bei 3,5 bis 4,5 Litern/100 Kilometer, die Reichweite mit einer Tankfüllung bei etwa 300 Kilometern.

Die technischen Feinheiten

Während der Brückenrahmen aus Stahlrohren samt stählerner Zweiarmschwinge nicht verändert worden ist, hat sich Yamaha der Radaufhängungen angenommen: Vorne kommt eine neue USD-Gabel mit 3,7 Zentimetern Durchmesser zum Einsatz, deren Dämpfungskraft und Federrate sportlicher, also härter ausgelegt sind. Hinten arbeitet ein ebenfalls neues Zentralfederbein mit steiferer Feder, das nun in der Vorspannung wie der Dämpfungs-Zugstufe einstellbar ist. Beim Fahren fühlt sich beides gut an: Das Handling auch in Wechselkurven ist präzise, Wankbewegungen werden wirksam unterdrückt, so dass die Kurvenstabilität der Klasse entsprechend hoch ist. Auch die Fahrstabilität bei höherem Tempo lässt nichts zu wünschen übrig. Nichtsdestotrotz ist auffällig, dass die YZF-R 125, also das Leichtkraftrad der supersportlichen R-Baureihe, höherwertige Komponenten aufweist als die R3: Die kleine Schwester hat eine 4,1-Zentimeter-Gabel wie auch eine Aluminiumgussschwinge statt der Stahlschwinge der R3. Wie überhaupt Gemeinsamkeiten Mangelware sind: So trägt beispielsweise die R3 die Frontbremse rechts im Rad, bei der 125er ist sie links montiert. Auch die Kettenspanner sind verschieden. Augenscheinlich sind die Entwicklungen vollkommen unabhängig voneinander erfolgt.

Bessere Instrumente

Neu an der 2019er Ausgabe der R3 ist das zentrale Anzeigeinstrument im Cockpit. Es kann jetzt deutlich mehr, zeigt das LC-Display doch nunmehr auch den gewählten Gang und weist neben einer Verbrauchsanzeige auch einen Schaltblitz, eine Zeituhr und manch andere nützliche Anzeige auf. Der Balken-Drehzahlmesser ist akzeptabel ablesbar.

Easy handling

Der Umgang mit der YZF-R3 fällt insgesamt leicht: Dazu trägt die vergleichsweise geringe Sitzhöhe von 78 Zentimetern ebenso bei wie das recht geringe Gewicht von 169 Kilogramm. Erwähnenswert ist diesbezüglich die Gewichtsverteilung von 50:50; das Handling profitiert davon deutlich. Die Ausstattung ist insgesamt zeitgemäß: LED-Beleuchtung rundum ist genauso Serie wie die Auslieferung mit Reifen des Typs Dunlop Sportmax. Bei trockenen Bedingungen gefiel ihr Verhalten ohne Einschränkungen. Das gilt auch für die Zweischeiben-Bremsanlage: Das kleine Motorrad verzögert gut, die Bremse ist einwandfrei dosierbar. Muss man doch einmal das Zweikreis-ABS zu Hilfe nehmen, regelt dieses ausreichend feinfühlig. Radblockaden werden in jedem Fall wirksam unterdrückt.

Viele junge Damen unter den Käufern

Mit einem Preis von 5.895 Euro – das Vormodell kostete 200 Euro weniger – bringt die neueste Version der Yamaha YZF-R3 alle Voraussetzungen mit, auch künftig erfolgreich zu sein: Die Motorleistung ist in ihrer Klasse nach wie vor ausgezeichnet, das Fahrverhalten ist agil, die Handlichkeit prima, die Zugänglichkeit einwandfrei und die Verarbeitung ohne Tadel. Deutlich gewonnen hat die sportliche Anmutung. Insgesamt ist es kein Wunder, dass auch viele junge Damen unter den Käufern sind. Männer im Alter von 50+ machen übrigens ebenfalls keinen Bogen um Yamahas kleinen Supersportler: Diese Altersgruppe ist nach den 20- bis 24-Jährigen, zusammen mit den 18- und 19-Jährigen, die zweitgrößte Käufergruppe in Deutschland.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 45704008 / Bikes)

Aus unserer Mediathek