Zero Emission, (noch) ein Invest für die Zukunft

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Foto: Ducati/Collage: Elisabeth Haselmann)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (Kalenderwoche 44/2015/I). Ein aktuelles Stimmungsbarometer aus Handel und Industrie rund um Motorrad, Roller und Quad/ATV – ein Radar, das Branchentrends von morgen auf dem Schirm hat.

Würzburg, den 27. Oktober 2015 – Christian Palliers Aufsatz über die Margenproblematik beim Verkauf von Elektromotorrädern hat ein lebhaftes Leser-Echo ausgelöst. Den Ball zum kritisch-konstruktiven Dialog hat der US-Anbieter Zero Motorcycles aufgenommen und seine Formel in der E-Bike-Mathematik dargestellt.

Der O-Ton stammt aus dem Kommentar von Zero Motorcycles, den man bei jedem Artikel hinterlassen kann, der in unserem Onlinedienst erscheint (in diesem Fall hier). „Tja, da hat er bestimmt ein bisschen recht, der Herr Pallier. Vom Verkauf von Elektro-Motorrädern kann man vermutlich noch länger nicht leben, deshalb sprechen wir hier ja, wie in der gesamtem E-Mobilitätsbranche, von einem Zukunftsmarkt. Die richtigen Hersteller haben das begriffen, sehen sich auch nach knapp zehn Jahren noch als Start-up, und machen es ihren Händlern so einfach wie möglich – oder wie der US-Amerikaner sagt „easy to deal with“-Partner. Das in einem Marktsegment, welches sich durch rasante Weiterentwicklung im Zweijahresturnus neu erfindet, Preise fallen ist nicht zu verhindern. Aber das wissen auch die Hersteller und steuern, beispielsweise mit einem „loyalty appreciation program“, oder Kunden -Treueprogramm, dagegen und bieten ihren „early adopters“, also denjenigen die schon früh auf den Zug E-Motorrad aufgesprungen sind, den subventionierten Aufstieg auf aktuelle Fahrzeuge an – im Prinzip nichts anderes als eine Abwrackprämie. Also ganz so schlecht ist die Branche nicht und man soll von einem US-Amerikanischen Unternehmen nicht gleich auf alle schießen."

Vorverurteilungen sind nicht unser Ding, aber Schuss vor den Bug, sprich Klartext reden, schon. Und so kommt an dieser Stelle Rolf Schietinger von CPO Cycle Products in Neckartenzlingen zu Wort: „Ich kann/muss Ex-Elektro-Bike-Händlerkollegen Pallier – so leid es mir tut – nur beipflichten. Aber nicht nur die Handelsebene hat ein Problem, sondern auch die Hersteller selbst. Wir hatten kein Fahrzeug ohne technische Probleme oder Mängel am Start. Ich weiß das aus eigener Erfahrung, nutzte ich doch ebenfalls unsere unverkaufbaren Ex-Vorführer sehr gerne selbst. Geräusch- und abgaslos über die Felder oder durch den Wald zu fahren, ist eine feine Sache. Aber vor allem die Prospekt- und Werbedaten (Leistung, Reichweite) sind in der Realität meist nur die Hälfte wert. Bei den jetzigen und kommenden Temperaturen halbiert sich das ganze leider nochmal. In Kombination mit den Preisen ist da noch einiges zu tun. Warum hat Polaris bereits die dritte Elektrofirma aufgekauft oder andere wie Harley oder BMW machen auf elektrisch. Image, Werbung? Sicher. Aber vielleicht kommt auf diese Zweirad- und Nischen-Hersteller demnächst das Selbe zu wie es die amerikanische Autoindustrie schon lange treiben muss. Wer in Kalifornien Verbrenner verkaufen will, braucht dort im Laden auch kaufbare ZERO (Wortspiel) Emissionsfahrzeuge ob sie wollen, es Sinn macht oder nicht."

Axel Roewer vom Roewer Motorradcentrum Berlin, ehemaliger Zero-Vertragshändler, wirft folgende Argumente in den Ring: „Hallo Stephan, wie Du sicher noch in Erinnerung hast, bin ich bekennender Fan von rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen und sehe darin die Zukunft unserer urbanen Mobilität. Schon 2011, 2012 habe ich versucht Produkte von Zero Motorcycles an die Frau bzw. an den Mann zu bringen. Aufgrund gleicher Erfahrungen wie vom Kollegen Pallier geschildert, musste ich den Vertrieb wegen extremer Unwirtschaftlichkeit aufgeben. Eine Unterstützung im Abverkauf „alter“ Modelle gab es durch den Importeur nicht. Selbst eine nicht abzuwendende (da berechtigte) Wandlung konnte ich nur mit juristischem Beistand durchsetzen. Mit solcher Vertriebspolitik kann sich ein so zukunftweisendes Produkt nicht durchsetzen. Kritische Hinweise in Richtung Zero wurden ignoriert aber auch von Euch Journalisten nicht aufgegriffen. Für die Zukunft einer erfolgreichen E-Mobilität sehe ich auch die Presse in der Pflicht. Überschwängliche Pressemitteilungen sollten zu mindestens in der Fachpresse nicht unkommentiert bleiben. Wie sonst soll der Importeur eine verfehlte Vertriebspolitik begreifen. Bei aller Begeisterung für E-Fahrzeuge im „Nutzbereich“ bleiben uns hoffentlich unsere emotionalen „Verbrenner“ noch lange erhalten!!!!“

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de/ (ID: 43683883 / Speedlog)