Zero Motorcycles: In der Stille liegt die Kraft

Zero Motorcycles, Marktfürhrer im Bereich Elektromotorräder, sucht Partner im Handel

| Autor / Redakteur: Anne Köppen / Stephan Maderner

Ralf Czaplinski: „Mit Zero Motorcycles unter Strom – der Marktführer im Bereich Eölektromobiltit suchg Partner im Handel.“
Ralf Czaplinski: „Mit Zero Motorcycles unter Strom – der Marktführer im Bereich Eölektromobiltit suchg Partner im Handel.“ (Bild: J. Untch/»bike und business«)

Keine Reichweiten, zu lange Ladezeiten, überteuerte Preise. Und dann noch ohne 2-Takt, 4-Takt- oder Boxer-Sound – wo bleibt da der Kick?! Oft sind das die dominierenden Gedanken zum Thema Elektromotorrad. Warum damit aufgeräumt werden sollte.

Wenn die Sonne einen Klang hätte, jetzt würde er sie hören. Laut und deutlich. Sie scheint durch das getönte Visier seines Motorradhelms, während er durch die langgezogene Kurve zieht. Das Zwitschern der Vögel. Der Wind, der durch Blätter rauscht. Außer den Geräuschen der Natur ist da nichts. Der Blick auf das Display seines Bikes verrät: Es wird langsam Zeit den Heimweg anzutreten. Auf ihn wartet das Mittagessen – auf sein Motorrad die Steckdose.

Motorrad und Steckdose – Begriffe , die vor einigen Jahren für viele Biker noch jeden Zusammenhang entbehrten. Durch das Elektromotorrad finden beide zueinander: Eine Runde auf dem Motorrad, ganz sinnlich, ohne Lärm und im Einklang mit der Natur ist inzwischen mehr als nur Fiktion.

Die Lautlosigkeit und Umweltfreundlichkeit sind das eine. Elektrisch Motorradfahren heißt aber vor allem: Satte Fahrleistungen. „Ein Drehmoment von 190 Newtonmeter und eine Beschleunigung von Null auf 100 in knapp über drei Sekunden? Das ist irre, aber genau das leistet unsere SR/F. Nicht viele Verbrenner kriegen aktuell solch eine Leistung hin“, erklärt Ralf Czaplinski. Er ist Country Manager für Zero Motorcycles, dem weltweit führenden Hersteller für Elektromotorräder, und zuständig für die Märkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auf der »bike und business«-Fachtagung am 20. November in Würzburg präsentierte er alle Vorteile, die die Elektromotorräder des US-amerikanischen Herstellers mit sich bringen.

Zero Motorcycles bedient einen Trend, der sich erst allmählich in der Motorradbranche etabliert. Noch dominieren die Verbrennungsmotoren deutlich – die Marktanteile elektrobetriebener Räder befinden sich aktuell im marginalen einstelligen Bereich. Dass Elektromobilität aber auch bei Motorrädern ein immer größeres Thema wird, zeigen nicht nur die stetig steigenden Absatzzahlen vom Hersteller Zero. In Mailand öffnete gerade erst wieder die Eicma – eine der wichtigsten internationalen Motorradmessen – Tür und Tor für tausende Besucher. Und auch hier: Elektrofahrzeuge so weit das Auge reicht.

Bereits 2015 wurde dort ein Zeichen in Richtung E-Mobilität gesetzt. Für den japanischen Hersteller Kawasaki war diese Messe die Initialzündung, mit der Entwicklung eigener Elektromotorrädern zu starten, erzählt Marco Pascher, Verkäufer bei Kawasaki Deutschland. Wann ein serienreifes Modell auf den Markt geht, ist allerdings noch unklar, denn „das Ziel ist es, komplett selbst zu entwickeln. Die Zeit für gute Qualität muss sein“, so Pascher.

Ralf Czaplinski von Zero weiß, dass Kawasaki nicht alleine ist. Fast alle großen Hersteller arbeiten hinter den Kulissen an eigenen Elektromotorrädern. Das wiederum beschäftigt die Händler. Ralf Doll ist Verkäufer bei Motorräder Hofmann Monsheim, einem Händler aus Rheinland-Pfalz. Auf der »bike und business« Fachtagung hat er Kontakt mit Zero Motorcycles aufgenommen. „Momentan haben wir noch ein relatives freies Handelsgebiet“, sagt er. Elektromotorräder ins Sortiment aufzunehmen kann er sich gut vorstellen. Kunden für das elektrische Fahren zu begeistern, auch.

Dabei gibt es auch viele kritische Stimmen. Allen voran ist es die Frage nach der Reichweite. Realistisch gesehen können die Fahrzeuge von Zero Motorcycles je nach Fahrweise und Terrain 160 bis 180 Kilometer zurücklegen, bis sie eine Ladepause benötigen. Wer lange Motorradtouren quer durch Europa machen möchte, der überlegt hier zwei Mal. Der durchschnittsdeutsche Motorradfahrer bewegt sein Motorrad allerdings nur rund 2.500 Kilometer pro Jahr. Für ihn dürfte ein Ladestopp nach circa 200 Kilometern durchaus machbar sein.

Machbar insbesondere dadurch, dass ein zügiges Laden möglich ist. Von Null auf 95 Prozent in einer Stunde – so die Antwort von Czaplinski auf die Frage nach der Ladezeit. Dabei ist vom Optimalfall die Rede, indem beispielsweise ein Rapid Charger genutzt wird. Die maximale Ladedauer an einer üblichen Steckdose liegt bei acht Stunden – denkbar eher während der Arbeit oder über Nacht.

Zuletzt stellt sich die kritische Kostenfrage: Mit bis zu 24.000 Euro liegen die Maschinen von Zero in der oberen Preisklasse. Dass der Hersteller trotzdem von steigenden Verkaufszahlen berichtet, liegt auch an der Zielgruppe der Elektromotorräder. Diese unterscheidet sich von den eher typischen Käufern eines Verbrenners – etwa durch die niedrigere Preissensibilität. In einer Umfrage hat Zero Motorcycles ein typisches Personenprofil eines Käufers ihrer Motorräder erstellt.

Für den fiktiven Musterkunden Georg ist das Elektromotorrad ein „Geschenk an sich selbst“. Zu seinem sechzigsten Geburtstag hat er sich damit einen Wunsch erfüllt, den er aus seiner Sicht schon allzu lange unterdrückt hatte. Der Kredit für das Haus, die Sorge um die Kinder, seine pflegebedürftige Mutter – viele Gründe sprachen lange gegen ein Motorrad. Neben den Sonntagsausflügen nutzt er das Motorrad jetzt vor allem, um zur Arbeit zu kommen. Von Oberschleißheim aus fährt Gerog jeden Morgen knapp 50 Kilometer in die Münchener City, wo er als Elektroingenieur für ein Versorgungsunternehmen tätig ist. Das Pendeln ist für ihn ein Genuss und zudem lohnt es sich.

Nicht nur Pendler wie Georg freuen sich am Sparpotenzial ihres Elektromotorrads. Das Aufladen des Akkus kostet umgerechnet keine drei Euro – das Volltanken an der Zapfsäule hingegen ein Vielfaches. Es entfallen zudem die Kosten für Wartungen und Inspektionen, die ein klassisches Motorrad durch Öle, Filter oder Betriebsstoffe benötigt. Der Gesetzgeber schenkt E-Fahrzeugbesitzern zudem die Kraftfahrzeugsteuer – die Versicherungsprämien sind günstig. Zero hat gemeinsam mit dem ADAC so eine jährliche Kostenersparnis von 1.100 Euro errechnet.

Für Georg lohnt sich das Elektromotorrad nicht nur wegen der Kostenersparnis. Es ist das Gefühl lautlos und doch mit der Power einer Rennmaschine durch die Landschaften zu gleiten, das ihn anzieht. Hilde aus dem Nachbardorf musste sich bislang damit abfinden, dass lautes Röhren der Maschinen ihre Idylle verletzt. Wenn Georg jetzt vorbeisaust, bekommt er von ihr ein Lächeln geschenkt, manchmal sogar einen Daumen hoch. Allein dafür lohnt es sich, elektrisch zu fahren.

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