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Zweiradbusiness in Zeiten von Corona

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 10/II), Folge 760: Genfer Autosalon abgesagt, der Moto-GP-Start in Katar fällt ins Wasser, ebenso die Internationale Handwerksmesse München, und die Museen von Ducati und Piaggio in Italien sind geschlossen – das Coranavirus...

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
(Bild: Vogel Communications Group)

...hält die Wirtschaft in Atem. Der Journalist Gabor Steingart schrieb am Mittwoch in seinem „Morning Briefing“: „Im globalen Dorf grassiert das Coronafieber. Und die Dorfbewohner – angeführt von ihren Leitmedien – nähern sich kollektiv dem Gemütszustand einer milden Winterpanik. Menschliche Sensationsgier und mediale Übertreibungslust haben mit vereinten Kräften eine Psychose herbeigeführt, gegen die das Gegengift der Aufklärung derzeit keine Chancen hat. Die Zahl der Corona-Live-Ticker auf den Online-Portalen übertrifft deutlich die Zahl der Verdachtsfälle. Die Vernunft steht weltweit unter Quarantäne.“

Ich will in meinem Speedlog weder das Feuer des Hypes schüren noch die Epidemie mit all' ihren Gesundheitsrisiken verharmlosen. Nach allem Abwägen von wissenschaftlichen Statements und populärwissenschaftlicher Panikmache in den Massenmedien liegt die Wahrheit für mich – wie häufig – irgendwo dazwischen: Die apokalyptischen Prophezeiungen halte ich jedenfalls für maßlos überzogen.

Dennoch hat die globale Wirtschaft und speziell auch das Zweiradbusiness aktuell ziemlich zu leiden unter der kollektiven Angstpsychose der Menschen, die als Eventteilnehmer, als Kunde, als Käufer derzeit ihre - rationalen oder eben irrationalen - Entscheidungen treffen. Die Messe Motorräder Dortmund hat (zumindest bis zum Redaktionsschluss dieses Speedlogs am Mittwoch Abend) dem Druck standgehalten und wollte bis zu diesem Zeitpunkt planmäßig ihre Tore öffnen. Gleichwohl litt das Event im Vorfeld unter einigen Ausstellerabsagen, darunter u.a. Suzuki, Indian, Wunderlich, Piaggio, Arai (Bihr), LSL Motorradtechnik, Pirelli, Metzeler, Nitschke-Verlag und Motorpresse Stuttgart („Motorrad“, „PS“).

Ebenfalls immun gegen das Coronavirus zeigt sich die regionale Messe Franken-Bike in Fürth. Die nach eigenen Angaben „schönste Motorradmesse Deutschlands“ öffnet am Samstag und Sonntag wie geplant ihre Tore.

Die am vergangenen Wochenende über die Bühne gegangene Süddeutsche Motorrad-Ausstellung Süma in Schwenningen scheint noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen zu sein. Zwar registrierten dort die Veranstalter wegen Corona weniger Besucher als sonst. Doch keiner der rund 70 Aussteller hatte abgesagt, der Saisonstart im Schwarzwald konnte planmäßig zelebriert werden.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Coronavirus bisher gemacht? Zusammen mit meinem Marktforschungsteam um Matthias Thauer und Ann-Sophie Ruß von der Vogel Communications Group haben wir eine aktuelle Online-Umfrage gestartet. Teilen Sie uns Ihre Meinung mit, damit wir ein repräsentatives Bild der Lage bekommen. Ich bin schon sehr auf das Umfrageergebnis gespannt!

PS. Ich selbst bin seit gestern für drei Tage auf dem Motosalon in Brünn (Tschechien) unterwegs. Dort findet der 12. Europacup der Zweiradberufe der Bike Experts Europe statt. Die ziemlich genau 600 Kilometer lange Anfahrt bewältigte ich Coronavirusgeschützt im Automobil. Den Flieger hat mir der Arbeitgeber verboten. Aus diesem Grund musste das »bike und business«-Team leider auch die bevorstehenden Reifenpräsentationen von Continental auf Sizilien und Dunlop auf Mallorca canceln.

In Tschechien werde ich vor Ort nun aufs Händeschütteln verzichten, die „Gangsterfaust“ tut es auch; und natürlich etwas mehr Abstand nehmen beim „Netzwerken“ und sich regelmäßig die Hände waschen. Was soll schon passieren? Körperlich geht es mir gut, meine Gesundheit würde ich als „robust“ bezeichnen. Selbst wenn es mich erwischen sollte, setzte ich auf mein Immunsystem, das dem Angriff des Killervirus Paroli bietet. Und so drücke ich den 22 Zweiradmechanikern aus den sechs Nationen Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Tschechiens und Polens kräftig die desinfizierten Daumen. Im Kampf um die europäische Schrauberehre halten übrigens dieses Jahr Eric Tim Förster in der Motorradtechnik und Valerian Mies und Stefan Lange in der Fahrradtechnik die deutsche Flagge hoch. Mehr dazu im nächsten Speedlog am kommenden Dienstag. Bis dahin, und bleiben Sie mir gesund und munter!

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