Zweiradnachwuchs made in Straubing – eine Klasse für sich

Qualitätsmanagement an beruflichen Schulen

| Autor / Redakteur: Stephan Maderner / Stephan Maderner

(Foto: Stephan Maderner)

Eine Delegation um den Bundesinnungsmeister Frank Döring besuchte am 20. Juni die Fraunhofer-Berufsschule I in Straubing.

Der berühmte Sohn der Stadt Straubing, Joseph von Fraunhofer, wäre an diesem Tag sicherlich stolz gewesen, weil die Augen der Nachwuchstechniker von morgen vor Begeisterung nur so leuchteten. Am 20. Juni erwiesen der Bundesinnungsmeister des Deutschen Zweiradmechaniker-Handwerks, der Obermeister der Mechanik-Innung Niederbayern/Oberpfalz, der Kreishandwerksmeister und die beiden Chefredakteure der relevanten Fahrrad- („Radmarkt“) und Motorradfachzeitschriften (»bike und business«) der nach ihm benannten Fraunhofer-Berufsschule I Straubing die Ehre. Fraunhofer, der am 6. März 1797 als elftes Kind eines Straubinger Glasermeisters auf die Welt kam, ging selbst in eine Spiegelschleiferlehre und legte damit den Grundstein für den wissenschaftlichen Fernrohrbau und letztlich für die bekannte Forschungsmarke „Fraunhofer-Gesellschaft“.

Schulleiter Johann Dilger begrüßte die hochkarätig besetzte Branchenabordnung, die sich ein eigenes Bild über den hohen Stand der Ausbildung in Straubing machen wollte, und stellte die niederbayrische Bildungsinstitution vor. 1.706 Schüler werden in der Pestalozzistraße von 45 Lehrern in den Ausbildungsrichtungen Metalltechnik, Fahrzeugtechnik, Elektrotechnik, Bau- und Holztechnik, Ernährung und Körperpflege unterrichtet. Tradtionell spielen in der Wissenschaftsstadt an der Donau die technischen Ausbildungsberufe Zweiradmechaniker, Fahrradmonteure und Kfz-Mechantroniker/Motorradtechnik eine herausragende Rolle. Aktuell werden im Bereich der Fahrzeugtechnik 476 Schüler in zwanzig Klassen profund unterrichtet. Im Schuljahr 2012/13 werden im Bereich Zweiradtechnik 305 Schüler in 14 Klassen beschult: Fahrradmonteure (1 Klasse), Kfz-Mechatroniker Jahrgangsstufe 12 (1 Klasse), Kfz-Mechatroniker 13 (1 Klasse), Zweiradmechaniker 11 (4 Klassen), Zweiradmechaniker 12 Fahrradtechnik (2 Klassen), Zweiradmechaniker 13 Fahrradtechnik (2 Klassen), Zweiradmechaniker 12 Motorradtechnik (2 Klassen), Zweiradmechaniker 13 Motorradtechnik (1 Klasse).

Zu der Fachgruppe Fahrzeugtechnik - Bereich Zweiradtechnik – zählen die Lehrkräfte Hans Dengler (Studiendirektor, Beratungslehrer), Martin Hillmeier (Studiendirektor, Fachbetreuer), Stefan Klein (Diplom-Berufspädagoge), Daniel Köhl (Studienrat), Werner Kraus (Fachoberlehrer/Werkstattleiter), Josef Leierseder (Fachlehrer), Mathias Müller (Fachlehrer) und Jürgen Stutz (Oberstudienrat).

Landesfachsprengel Zweiradtechnik

Dank des Status Landesfachsprengel Zweiradtechnik besuchen alle Auszubildenden aus ganz Bayern in diesen Berufen die Staatliche Berufsschule I in Straubing. Dort starten seit 1991 Zweiradmechaniker (Fahrrad-/Motorradtechnik) ab dem 2. Lehrjahr, seit 2005 Fahrradmonteure ab dem 2. Lehrjahr und seit 2005 Kfz-Mechatroniker (Motorradtechnik) ab dem 3. Lehrjahr in ihre handwerkliche Zukunft.

Was die Branchenfunktionäre um Bundesinnungsmeister Frank Döring, Obermeister Josef Kollmansberger, Kreishandwerksmeister Armin Stöckel und dem Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Straubing, Andreas Mühlbauer, besonders faszinierte, war neben der Vermittlung von äußerst fundiertem Theoriewissen die praxisorientierte Kompetenzvermittlung in den üppig ausgestatteten Werkstätten (je zwei Motorrad- und Fahrradwerkstätten und eine Motorenwerkstatt). Es stehen insgesamt zehn Hebebühnen und ein Leistungsprüfstand für die Motorradler zur Verfügung und 16 Fahrradständer für die Fahrradmonteure. Für das Schuljahr 2012/13 wurden acht Pedelecs der neuesten Generation mit Panasonic- und Boschmotoren mit den entsprechenden Diagnosegerären angeschafft, um den wachsenden Trend zur Elektromobiltität auf zwei Rädern Rechnung zu tragen. Elektroroller u.a. der Marke E-Max runden den Fahrzeugpool der Stromer ab.

Die Auszubildenden können auch im Motorradsektor aus dem Vollen schöpfen. Vor allem BMW und Harley-Davidson, aber auch viele andere Hersteller, haben den Straubingern vorbildlich Schulungsbikes überlassen.

Die Praxisorientierung

Gerne lassen die leidenschaftlichen Straubinger Lehrer ihre Eleven und auch sich selbst über den schulischen Tellerrand hinausblicken und bieten Kfz-Mechatronikern eine Zusatzausbildung zur „Elektrofachkraft für Hochvoltsysteme in Kraftfahrzeugen“ an (ab September 2013). Zweiradtechniklehrer nahmen an Fortbildungen für Panasonic- und Boschmotoren teil. Im November ist der Besuch der Fachtagung "bike und business" in Würzburg geplant. Gegenwärtig läuft das Fortbildungsseminar für Schüler „Moderne Akku-Technik bei Elektrofahrrädern“ durch die Firma batteryuniversity.eu GmbH. Im Juli heißt es „Einführung in das Warenwirtschaftssystem TriBike/TriBike light“ (Juli 2013) durch die Firma Tridata.

Die Fluktuationsrate unter den Lehrern ist gering – „Kontinuität schafft Vertrauen und ein angenehmes und hochprofessionelles Arbeitsklima“, sagt Fachbereichsleiter Martin Hillmeier, der auf Fahrräder und Pedelecs spezialisiert ist. Zweiradtechnikerlehrer Jürgen Stutz steht gleichbedeutend für die Motorradbegeisterung im Laden. Der Oberstudienrektor hat nachträglich sogar den Zweiradmechanikermeister gemacht und bringt die Leidenschaft fürs Schrauben, aber auch die neuesten Erkenntnisse wie Direktannahme und den Stellenwert von Waren- und Betriebswirtschaft für die Zweiradbranche mit in den Schulalltag ein.

Das Erfolgsmodell

Die Erfolge der Straubinger können sich sehen lassen. Dies zeigt ein Blick auf die praktischen Leistungswettbewerbe im Zweiradmechaniker-Handwerk: 2005 errang Benedikt Rösch den 1. Platz im Bundeswettbewerb ((Zweiradtechnik), 2010 holte sich Leonhard Selbherr (Fahrradtechnik) beim Europacup den Titel. Philip Weber errang 2011 den 1. Platz im Bundeswettbewerb (Motorradtechnik) und holte sich ein Jahr später die europäische Krone nicht nur beim Europacup sondern auch bei den EuroSkills. Wenn das keine beeindruckende Leistungsbestätigung für eine leistungskräftige Schule ist. Angesichts solch' toller Erfolge braucht es der Schulleitung im Kampf um den schwindenden Handwerksnachwuchs nicht bange werden

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