Zweiradprofis in der Burnoutfalle

Anmerkungen zu aktuellen Branchenthemen

| Autor: Stephan Maderner

Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin.
Rasender Reporter: An dieser Stelle redet »bike und business«-Chefredakteur Stephan Maderner regelmäßig Benzin. (Bild: Vogel Business Media)

Aus dem Tagebuch des »bike und business«-Chefredakteurs (KW 45/2016/I), Folge 458: Heute morgen kurz nach halb sieben auf meinem Fußmarsch ins Büro pfiffen...

...es die Spatzen von den Dächern und die Amseln in den novemberlich entlaubten Büschen stimmten hinzu: Heute ist große Motorradpremierenshow in Mailand. Und wie – der Herr Chefredakteur ist auf dem Weg in sein Würzburger Büro? Produktionszwänge und der Redaktionsschluss für die nächste »bike und business«-Printausgabe sowie die bevorstehenden finalen Organisationsarbeiten für meine Fachtagung Ende November zwingen mich dazu. So schwirren halt unsere freien Mitarbeiter durch die heiligen Mailänder Messehallen und schauen sich vor Ort um. Und die Bilder von den Motorrad-Weltpremieren stellen wir Ihnen bequem vom heimischen Computer aus ins Netz – Sie verpassen also nichts (siehe auch die ersten Motive aus Mailand in der Bildergalerie in diesem Artikel).

Mailand und Köln im Wechsel?

Die wichtigsten Gespräche mit den Dienstleistern und der Zubehörindustrie haben wir ja schon auf der Intermot in Köln geführt, und das ist keine vier Wochen her. Wie sagte doch jüngst Stephan Schaller, CEO von BMW Motorrad: „Wünschen würde ich mir natürlich, dass nicht zwei Messen so dicht aufeinander folgen, um das auch mal zu sagen. Aber da hat die Intermot ja einen guten Job gemacht. Wenn die Eicma es schafft, jedes zweite Jahr zu kommen, dann hätten wir jedes Jahr eine große Messe – einmal in Italien und einmal in Deutschland – das wäre aus unserer Sicht natürlich noch besser.“

Weniger ist mehr?

Was für ein gigantischer logistischer und personeller Aufwand vor allem für die Motorradhersteller! Gleich so kurz nach der Weltleitmesse in Köln schon wieder auf die Piste zu gehen, mit Sack und Pack aufzurödeln sowie erneut eine Menge Manpower und Energie einzusetzen, nur um auf der Eicma ja nichts zu verpassen. Doch wäre nicht manchmal weniger mehr?

Not-OP und schwere Depression

Stutzig gemacht haben mich nämlich jüngst zwei Anrufe von guten, ja fast schon befreundeten Geschäftspartnern. Unter Tränen schütteten mir die beiden unabhängig voneinander ihr Herz aus. Sie seien nach der stressigen Intermot in Köln einfach in ein tiefes Loch gefallen. Der eine musste wegen akuter Kreislaufschwäche zur Not-OP ins Krankenhaus und die andere versank in einer schweren Depression, von der sie sich bis heute nicht ganz erholt hat. Klarer Fall von Burnout. Der Körper sendet Warnsignale, weiß nicht mehr weiter und am Ende kollabiert das Nervenbündel und nimmt es am Ende fast komplett aus dem Spiel.

Wenn Kümmerer verkümmern

Psychische, physische und emotionale Erschöpfung – wer kennt das nicht? Wir alle, die mit Begeisterung und viel Herzblut in der Zweiradbranche arbeiten, sind gefährdet – vor allem die Profis in den Vertriebs- und Salesabteilungen, die in der mittleren und höheren Führungsetage Verantwortung übernehmen. Ohne die Aktivposten wäre der Laden aufgeschmissen. Die Spielmacher sind in der Regel beseelt von ihrer Leidenschaft für den Job, machen viel und reißen fast alles an sich (oder bekommen von oben so viel draufgepackt, dass sich die Balken biegen). Ohne die Kümmerer läuft so gut wie nix in den Unternehmen. Die Crux ist nur, dass die Gestalter zumeist Einzelkämpfer sind und häufig einfach die (personellen) Ressourcen fehlen, um die täglich wiederkehrende herkulische Last auf Dauer auch bewältigen zu können.

Eine One-Man- und One-Woman-Show darf natürlich auch niemals krank sein, Termine absagen oder in der E-Mail-Flut ertrinken. Einer muss den Job ja richtig (machen) - sonst stürzt das System ab. Eine Teilschuld trifft sicherlich auch die Chefs und Inhaber, welche die notwendigen Ressourcen – „Das schaffen Sie schon“ – verweigern. Ich sage nur: das Streben nach Turnaround und Gewinnmaximierung bildet den idealen Nährboden für das Burnout-Syndrom. Nicht die Top-Manager sind es, die am meisten Burnout gefährdet sind, sondern die Mädchen für alles, die Leistungsträger an der operativen Basis, die dafür sorgen, dass der Laden brummt.

Schluss, Aus, Amen.

Irgendwann läuft nämlich das Fass eines jeden Top-Performers über, man fühlt sich ausgebrannt, emotional erschöpft und überfordert. Die Qualität leidet, weil die Quantität der Aufgaben eine riesige Welle macht. Das Ganze geht einher mit reduzierter Leistungszufriedenheit. Für den betroffenen Kollegen entsteht eine Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität. Wissenschaftlich ausgedrückt: Burnout ist der Endzustand eines Prozesses von idealistischer Begeisterung über Desillusionierung, Frustration und Apathie. Schluss, Aus, Amen.

Was halten Sie von meiner These, dass viele Zweiradprofis im Hamsterrad stecken und die andauernde Überforderung immer gefährlichere Formen annimmt? Ich freue mich auf Ihre Kommentare am Ende dieses Artikel. Oder schicken Sie mir einfach eine Mail an stephan.maderner@vogel.de und lassen Sie Ihrem Kummer freien Lauf.

Jetzt anmelden für Fachtagung »bike und business«

PS: Hinweis in eigener Sache: Haben Sie Ihre Vorbereitungen für den Besuch der Fachtagung »bike und business« schon abgeschlossen? Auf unserer Landingpage finden Sie alles Wissenswerte über das informative Fachprogramm, ein gutes Dutzend Fachvorträge, fünf Workshops und den Mix der mittlerweile 42 Aussteller. Für alle an der Teilnahme interessierten gilt: den Aktionscode „bike2016f“ hier eingeben und sich für den Marktplatz der Zukunftsideen für die motorisierte Zweiradbranche anmelden. Ich verspreche Ihnen hochheilig: Wir treiben Sie nicht in den Stress. Es läuft alles entspannt, locker, aber dennoch hochprofessionell und inspirierend ab. Wann? Am 24. November. Wo? Vogel Convention Center Würzburg. Der Countdown läuft: noch 16 Tage.

PPS. Für all' diejenigen Mitglieder des »bike und business«-Benchmark-Clubs, die es angesichts des Stresses im operativen Tagesgeschäft bisher nicht geschafft haben,uns ihre Zahlen zu melden, sollten jetzt definitiv auf die Zielgeraden einbiegen. Martin Berning von der BBE Automotive in Köln braucht dringend Ihre Datensätze. Nochmals sei daran erinnert, dass am 23. November (also einen Tag vor der Fachtagung!) von 11 bis 17 Uhr unser Workshop in Würzburg stattfindet. Freuen Sie sich auf den anregenden Austausch in dieser Erfa-Gruppe.

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